Bonapartismus und Faschismus

In politischen Diskussionen fallen oft schnell und flapsig Begriffe wie Faschismus zur Einschätzung von Bewegungen und Situationen. Ebenfalls oft, werden diese Begriffe falsch und in falschen Zusammenhängen verwendet. Das kann zu folgenschweren Konsequenzen führen. Trotzki verglich die politische Analyse mit der Diagnose einer Ärztin. Eine falsche Medizin wird die Krankheit nicht heilen, sondern kann sie bis zum Tod verschlimmern. Gleich verhält es sich in der Politik. Eine Analyse bedingt Konsequenzen und Handlungen, die ebenso „heilend“ wie „tödlich“ sein können. Insofern hat das „Herumreiten“ auf Begriffen nichts mit „Erbsenzählen“, sondern einer seriösen Auseinandersetzung und Basis unserer Arbeit zu tun.

In diesem Spannungsfeld bewegen sich auch die Begriffe „Faschismus“ und „Bonapartismus“. Eines der Werkzeuge des Marxismus ist die Dialektik. Sie lehrt das Umschlagen von Quantität in Qualität und beschreibt somit das Entstehen veränderter oder neuer Situationen bzw. Dinge. Und darauf kommt es auch bei unserem Spannungsverhältnis an, wann ist ein Regime bonapartistisch und wann ist es faschistisch und noch viel wichtiger für uns, welche Konsequenzen müssen wir darauf für uns und unsere Arbeit ziehen.  Wie wichtig und konkret diese Frage ist, zeigt der Umstand, dass Ende der 1960 und Anfang der 70-iger eine ganze Generation von jungen Antifaschist*innen und Linken sich im individuellen Terror gegen einen vermeintlich faschistischen Staat verbrannt hat. Dazu werden wir zwei Artikel lesen, diese bearbeiten und Sie sich anschließend mit konkreten Fragestellungen auseinandersetzen. Für alle das planen Sie ungefähr 3-4 Stunden ein.